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Kirchen-Offensive:
"Lange Nächte" und "Geiler Geist"
VON NINA BUCHINGER (Die Presse) 19.01.2005
Mit einer "langen Nacht der Kirchen" oder "Jugendgottesdiensten" soll das Interesse der Bürger am Glauben wieder geweckt werden.

Wien. Für Museen und Musik gibt es sie schon, am 10. Juni bekommt auch die Kirche eine lange Nacht. Zum ersten Mal öffnen rund 120 Kirchen in Wien zwischen 18 Uhr und 1 Uhr Früh ihre Türen und laden Interessierte ein, nicht nur Ruhe und Stille zu genießen, sondern auch an Lesungen, Konzerten, Kinderführungen oder gesellschaftspolitischen Diskussionsrunden teil zu nehmen.

"Gerade die Nacht hat viel mit dem christlichen Leben zu tun", erklärt Bernhard Linse, Sekretär für das Vikariat Wien-Stadt und hofft mit dieser Aktion auch Menschen in die Kirche locken zu können, die sonst draußen bleiben. Vorbild für die lange Nacht der Kirchen seien nicht nur die gleichnamigen Veranstaltungen in Museen und für Musik oder die sehr erfolgreiche lange Nacht der Kirchen in Deutschland gewesen, erzählt Erich Leitenberger, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese Wien. "Wir haben gesehen, dass viele Menschen besonders die Abendstunden nutzen, um einen stressigen Tag in Stille ausklingen zu lassen. Dafür haben der Stephansdom oder die St. Michaels Kirche schon jetzt bis 22 oder 23 Uhr geöffnet. Die lange Nacht der Kirchen soll auch eine Initialzündung sein, dass in Zukunft mehr Kirchen ihre Öffnungszeiten verlängern."

"Kirche ist nicht die bessere Disco"

Wiens Jugendseelsorger Gregor Jansen

Die Kirchenaustritte (siehe auch S. 4) lassen Jugendorganisationen aktiv werden. Unter dem Titel "find, fight and follow", werden seit 2003 Jugendgottesdienste organisiert. "Wir sind schon in der dritten Staffel", so Koordinator Florian Unterberger. "Geplant waren drei Veranstaltungen, aber die Resonanz war so groß, dass wir weiter gemacht haben". Am Sonntag (18. 30 Uhr) wird die nächste Messe unter dem Motto "Geist ist geil" in der Kirche St. Florian, 5. Bezirk, gefeiert. Der Titel ist mit den Jugendlichen (Zielgruppe 14 bis 30-Jährige) abgeklärt und nicht peinlich, so Unterberger. "Wir wollen mit dem Titel einen Kontrapunkt zu Geiz setzen und zeigen, dass das Leben mit einem offenen Geist toll ist." Gregor Jansen, Wiens Jugendseelsorger ergänzt: "Wir versuchen nicht, uns anzubiedern. Kirche ist nicht die bessere Disco. Wir versuchen einzelne Elemente aus Kirche und Jugendkultur zusammenzufügen, aber so, dass Kirche weiterhin Kirche bleibt und Jugend Jugend. Es soll ein Dialog entstehen." "Unser Anliegen ist es, Jugendlichen zu zeigen, dass Gott mit ihrem Leben zu tun hat und Kirche ein Lebensort sein kann".

An diesem Lebensort, der ein "offener Raum für alle" ist, soll es vermehrt zu Theater-, Musical- oder Musikaufführungen kommen. Geplant ist im Mai 2005 die Eröffnung einer Jugendkirche. "Wir merken, dass das spirituelle Bedürfnis steigt", sagt Unterberger. "Die Jugendkirche soll jungen Menschen einen Raum mit Atmosphäre bieten, wo sie sich austauschen können."

INTERNET 

www.findfightfollow.at

 
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