
Rund 12.000 Jugendliche haben in Wien die sechs etwas anderen Gottesdienste - Bildvorstellungen inkludiert - besucht. Fotos: Jilka
Die "richtige" Verpackung für Gott
Immer weniger Jugendliche gehen zur Messe. Rund 50 Tiroler möchten daran etwas ändern.
"Überall verändert sich täglich unser Leben! Überall? Nein. Die Kirche
wehrt sich standhaft gegen Erneuerungen", das ist der Grund der
Katholischen Jugend und einiger Jugendlicher, in Tirol eine
Jugend-Gottesdienst-Reihe zu starten.
Überall würden Vorträge mit Unterstützung von Overheads oder Beamern
gehalten, der Pfarrer lese aber immer noch von der "Heiligen Schrift"
vor. Eine Band könnte ohne Schlagzeug oder E-Gitarre nicht bestehen, in
Messen singe man jedoch lediglich zur Orgel.
Auch insgesamt sei die Welt liberaler geworden. "Deswegen sieht es ein
Jugendlicher nicht ein, warum wir wie auf Befehl aufstehen und
niederknien soll", meint der Initiator Stefan Knoflach. "Man muss klar
zwischen dem Glauben und dem Kirchgängen unterscheiden. Jugendliche
lehnen nicht Gott ab. Er hat nur hin und wieder die falsche
Verpackung", meint der Pfarrgemeinderat.
Die Kirche müsse mehr als je zuvor den Schritt hin zu den Jugendlichen
machen. Sonst würde sie riskieren, dass ihre Botschaft auf der Strecke
bleibe. Das habe er als Mitglied des Haller Pfarrgemeinderats schon vor
ein paar Jahren gemerkt. Dort kam es somit schon vor, dass die Bibel
auf tirolerisch gelesen wurde.
Die Erfolgsgeschichte der Wiener Jugendmessen sprach ihn in der Folge
an. Rund 12.000 Jugendliche besuchten dort die sechs Gottesdienste.
Sieben Tonnen Equipment wurden aufgefahren, 80 Scheinwerfer aufgebaut
und Gott mit 10.000 Watt gepriesen.
Rund 50 Tiroler Jugendliche haben sich nun mit der Katholischen Jugend
zusammengefunden, um Ähnliches in Tirol auf die Beine zu stellen.
"Bischof Manfred Scheuer unterstützt unsere Gottesdienst-Reihe
,wundern, warten, werden, wirken’", freut sich Knoflach.
Am 30. Jänner wollen sie ab 18.30 Uhr im Dom St. Jakob mit 1000
Jugendlichen, 2000 Lux und 3000 Watt feiern. Neben einer Band und
zahlreichen Sängern sollen Videosequenzen eingespielt werden. Die Messe
werde in der Alltagssprache gehalten.
"Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass man in einer Kirche auch
lachen und applaudieren kann", sprechen sich die Veranstalter für ein
Aufbrechen der alten Strukturen aus. Insbesondere die 14- bis
25-Jährigen sollen auch beim zweiten Festival in der Pfarrkirche in
Zams am 5. März angesprochen werden. In Brixen findet der Gottesdienst
am 3. April statt. Pfingsten steht am 21. Mai in Wörgl im Mittelpunkt.
Übrigens sollen keine Kirchenbeiträge für die Finanzierung der Jugendmessen herangezogen werden. Es läuft alles über Sponsoren.
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2004-12-21 18:52:46 |
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